Swissness: Bescheidenheit

Wir sind in Gefahr, die wertvolle Marke „Swiss Made“ zu entleeren. Charakterstarke Persönlichkeiten könnten die fortschreitende Werteerosion stoppen.

Bescheidenheit ist eine christliche Tugend. Besonders Führungskräfte, Verantwortungsträger in Wirtschaft und Politik sollten diese kennen und pflegen. Etliche Wirtschaftskapitäne präsentieren mit überhöhten Salären und Boni öffentlich ihre Gier und Masslosigkeit. Politiker verfolgen mit schmeichlerischen Worten und verschwiegenen Fakten eigene Interessen. Ein düsteres Bild!

Das Vertrauen der Bevölkerung in Führungs­instanzen wird auf diese Weise systematisch zerstört. Was soll man glauben? Wem soll man vertrauen? Woran soll man sich orientieren? Wie soll man sich eine Meinung bilden? Grundpfeiler einer funktionierenden Demokratie beginnen zu wanken. Das ist gefährlich. Schleichend wird ein bewährtes System untergraben und letztlich zerstört. Wenn wir unsere Demokratie und schweizerischen Werte im europäischen und globalen Kontext erhalten wollen, müssen wir diese Werteerosion stoppen, solange es noch Zeit ist. Die Schweiz braucht dringend charakterstarke Führungspersönlichkeiten. Charakterstärke entsteht durch die Pflege christlicher Tugenden. Bescheidenheit ist eine davon. Bescheidene Menschen haben eine Sicht für das grosse Ganze und eine Bereitschaft zum Dienen, Kämpfen, sie stellen eigene Interessen hintan. Die Bibel ist ein praktisches Lehrbuch zur Pflege des Charakters.

Bei der Selektion von Führungskräften oder bei der Wahl von Politikern sollte neben fachlichen Qualifikationen auch die Charakterstärke bewertet werden. Bescheidenheit zum Beispiel bedeutet nicht Zwang zur Armut oder Unterwürfigkeit. Im Gegenteil. Wir sollen Güter und Begierden beherrschen, dafür sorgen, dass diese sinn- und sachgemäss genutzt werden. Verhandlungen, die allen Partnern dienen, sind nicht von netten Gutmenschen zu führen, das zeigt sich bei den aktuellen „Verhandlungen“ mit der Europäischen Union. Uns fehlen starke Verhandlungspersönlichkeiten, die massvolle Vertragsklauseln und Vertrauen bei allen involvierten Partnern aufbauen können. Der Verhandlungsgrundsatz „Hart in den Fakten – weich im Ton“ könnte eine echt schweizerische Tugend, nämlich Bescheidenheit, wirkungsvoll zeigen.

 

Mario Brühlmann ist Gründer der Swiss Create KMU-Förderungsprogramme und Präsident der Christlichen Ostmission COM.
www.ostmission.ch