Lug und Trug

Dieses Thema habe ich an dieser Stelle schon einmal angesprochen und damit viele Reaktionen ausgelöst. Leider gibt es in Sachen Betrügereien eine aktuelle Fortsetzung.

Gerade erleben wir, wie Betrug in – bis vor kurzem – unvorstellbar grossen Dimensionen ans Tageslicht gelangt. Nicht nur Politiker, auch Wirtschaftsführer und Exponenten von Sportverbänden werden entlarvt. Das geschieht hier bei uns, in sogenannt hoch entwickelten Ländern.

Das hat eine positive und viele negative Seiten. Zuerst die positive: Tageslicht ist die beste Medizin gegen Korruption. Das gibt ein bisschen Hoffnung für die Zukunft. Leider scheint die Lernbereitschaft in einschlägigen Managerkreisen sehr bescheiden zu sein. Zwar verbringen unter Umständen einige Exponenten etliche Jahre im Gefängnis und Organisationen bezahlen Milliardenbussen. Dennoch bleiben viele Schäden bei Menschen und der Umwelt ungesühnt.

Ich denke da an Zehntausende treue Mitarbeiter der betroffenen Organisationen. Die meis-ten von ihnen haben während Jahrzehnten ihr Bestes gegeben, um den Kunden gute Produkte anzubieten. Sie haben ihre Arbeit verantwortungsvoll und zuverlässig ausgeführt. Sie waren stolz, Teil von renommierten globalen Unternehmen zu sein. Sie haben tagein, tagaus mit Begeisterung an innovativen Lösungen gearbeitet. Und eines Tages müssen sie – meistens aus der Presse – vernehmen, dass einzelne ihrer Verantwortungsträger betrügerisch handelten und die ganze Unternehmung an den Pranger lieferten. Nun stehen sie alle als Mitschuldige da und müssen die Konsequenzen tragen. In ihrem sozialen Umfeld fühlen sie sich als Mitbetrüger abgestempelt. Und möglicherweise verlieren sie sogar ihren Arbeitsplatz. Das Unternehmen investiert in grosse Werbekampagnen, um das Vertrauen der Kunden wieder zu gewinnen. Unschuldige Mitarbeiter bezahlen den Preis.

Das ist die nächste grosse Tragödie. Scheinbar kann man verspieltes Vertrauen mit teuren Werbekampagnen zurück-kaufen. Da stimmt etwas nicht mit unseren Werten. Vertrauen muss das Resultat langfristig gelebter Beziehungen sein, und nicht lautstarker Werbekampagnen. Dennoch folgen viele gedankenlos diesen Schalmeienklängen. Würden Verantwortungsträger die biblischen Werte – und insbesondere die zehn Gebote – als Massstab für ihr Handeln nehmen, gäbe es solche Missstände nicht

Mario Brühlmann ist Gründer der Swiss Consulting Group SCG AG und Präsident der Christlichen Ostmission. www.ostmission.ch