Dieses Erdbeben berührt mich ganz persönlich

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. An diesem Spruch ist etwas dran. Vor drei Monaten war ich in Kathmandu und startete ein Programm für den Aufbau von Familienbetrieben.

Vor einigen Wochen startete ich in Kathmandu ein Ausbildungsprogramm für den Aufbau von kleinen Familienbetrieben in den abgelegenen Dörfern Nepals. Fast zweihundert begeisterte Nepalesinnen und Nepalesen waren erschienen, um ihren Landsleuten helfen zu können, Firmen und Arbeitsplätze zu schaffen. Die Fortsetzung dieser Ausbildung ist im Mai geplant.

Aber nun kam dieses Erdbeben – für alle völlig unerwartet – und veränderte innert wenigen Stunden die Prioritäten total. Nun geht es zuerst mal darum, Leben zu retten, Notunterkünfte, sauberes Wasser und gesunde Nahrung bereitzustellen und dann geht es ums Aufräumen und Wiederaufbauen.

In solchen Situationen sind Flexibilität und Solidarität gefragt. Glücklicherweise verfügt das Hoffnungsnetz – eine gemeinsame Aktion christlicher Hilfswerke – über viele Kontakte zu christlichen Gemeinden und Organisationen in Nepal. Das ermöglicht eine direkte und schnelle Hilfe bis in die entlegensten Dörfer. In dieser Situation wird nicht nach der Religion gefragt, aber nach praktischer und wirkungsvoller Hilfe. Es ist eine Möglichkeit für Christen, tiefe und nachhaltige Spuren zu hinterlassen. Soforthilfe bedeutet für die Betroffenen in diesem Moment sehr viel und sie werden diese kaum je vergessen. Hier und jetzt wird christliche Nächstenliebe sichtbar und spürbar. Ich bedanke mich bei allen, die diese Hilfsaktion unterstützen.

Dieses Erdbeben berührt mich ganz persönlich. Ich sehe die Gesichter der zweihundert hoffnungsvollen Nepalesinnen und Nepalesen noch immer vor mir, wie sie gespannt und wissbegierig dem Seminar folgen. Wie es ihnen in diesen Minuten wohl geht? Haben alle überlebt? Haben sie ihre Häuser oder gar Familienmitglieder verloren? Sind sie entmutigt oder stark genug zum Weitermachen? Von einigen haben wir beruhigende Nachrichten. Sie haben überlebt. Von anderen fehlt noch jede Spur.

Ich weiss noch nicht, wie mein nächster Einsatz in Nepal Mitte Mai aussehen wird. Nur eines ist klar. Nach dem Trauern und Aufräumen beginnt der Wiederaufbau. Und dann werden wir das Projekt der Christlichen Ostmission zum Aufbau von Familienbetrieben in Nepal mit noch grösserer Entschlossenheit vorantreiben.

Mario Brühlmann ist Gründer der Swiss Consulting Group SCG AG und Präsident der Christlichen Ostmission COM. www.bruehlmann.ch